Lebensführung

Schneller, höher, weiter

Die Devise der Olympischen Spiele, “citius, altius, fortius” = “schneller, höher, stärker” (lat.), ist längst zum Motto unserer Gesellschaft geworden. Um im beruflichen Leben höher und weiter zu kommen, leben und arbeiten die Menschen schneller. Durch die Rahmenbedingungen unserer heutigen Zeit ist das auch möglich geworden: Wir haben uns längst an höhere Geschwindigkeiten beim Reisen, Einkaufen, Essen, Recherchieren, Nachrichtenchecken und Arbeiten gewöhnt. Warten, um den ganz alltäglichen Dingen Zeit zu geben, ist aus der Mode gekommen. Stattdessen geht der Trend zum Sabbatical, der Einjahrespause, um danach wieder Vollgas geben zu können.

DR. SAMUEL PFEIFER, Professor und Facharzt für Psychiatrie, berichtet in seinem Artikel “Speed. Wenn Tempo zur Droge wird.” von sechs Führungskräften, die aufgrund von Geschwindigkeit im beruflichen Kontext alles erreichen, aber auch fast alles wieder verlieren. Der Steinschlag des Lebens hat zum Crash geführt, nicht die Geschwindigkeit im Job. Die Komponente “unvorhersehbarer Steinschlag” sollte man nicht unterschätzen. Denn “Oft ist es nicht einmal die Arbeit selbst, die zum Crash führt, sondern es sind die kleinen und größeren Hindernisse, die nun einmal Teil des Lebens sind.”, so Pfeifer. Arbeit an sich ist gesund und lebensförderlich. Stress und Herausforderungen gehören dazu, spornen an und sind handhabbar. Die Gefahr liegt nicht im Schnellfahren an sich, sondern darin, dass bei hohen Geschwindigkeiten weniger Reaktionszeit bleibt, wodurch das Unfallrisiko steigt. Wenn das Lebenstempo langsamer ist, haben wir mehr Zeit, auf die “unvorhersehbaren Steinschläge” des Lebens zu reagieren und einen Crash zu vermeiden. Folgende drei Einflussfaktoren geben laut Pfeifer oft Anlass zum Crash: 1. Persönlichkeit und Beweggründe (z.B. der niederschmetternde Angriff des Arbeitgebers auf die eigene Leistung oder Persönlichkeit), 2. das Privatleben (z.B. der schmerzliche Verlust eines geliebten Menschen), 3. körperliche Gesundheit (z.B. die plötzlich auftretende Krankheit).

Diese Gedanken habe ich zum Anlass genommen, um mir Fragen der Selbstreflexion über mein eigenes Tempo zu stellen, die ich nun an Sie weitergebe. Ich wünsche Ihnen, dass Sie für sich erkennen, welches Tempo in Ihrer aktuellen Lebenssituation passend und gut für Sie ist.

Quelle: Pfeifer, S. (2014). Speed. Wenn Tempo zur Droge wird. P&S. Magazin für Psychotherapie und Seelsorge, #04.2014, S. 50.